Nur rund 700 Bäume sollen vor geplantem Tunnelbau für U4 im Gartenreich untersucht werden

PRESSEINFORMATION: Bürgerinitiative Grüneburgpark und Aktionsgemeinschaft Westend hinterfragen die Ausschreibung des Umweltdezernates zu 700 Baumwert-Untersuchungen

Bei der Ausschreibung Nr. 4704/904* vom 22.9.2020 fällt auf, daß nur rund 700 Bäume und vor allem nicht das gesamte gewachsene Ökosystem der drei geschützten Parkanlagen für den Tunnel der U4 eine Rolle spielen sollen“, kritisiert Gisela Becker von der Bürgerinitiative Grüneburgpark. „Der Grüneburgpark hat 2840 Bäume, hinzugerechnet hunderte wertvoller Bäume von Botanischem Garten und Palmengarten sowie die Bäume der Kita 112 und des Verkehrsgartens. Alle Bäume stehen unter Denkmalschutz. Wie kommt die bescheidene, überschaubare Zahl von 700 Bäumen zustande? Wo steht das Denkmalamt für die Bäume ein?“ fragt Becker.
Hier wird offensichtlich nur sehr selektiv und kleinräumig die unmittelbare Umgebung der geplanten unterirdischen Trasse betrachtet, anstatt die komplexen Auswirkungen einer so groß dimensionierten Beton-Barriere für die Grundwassersituation des gesamten Gartenreichs und des südlich angrenzenden Stadtteils mit vielen alten Straßen-Bäumen (Siesmayerstraße, Grüneburgweg, Friedrichstraße, Liebigstraße) und Bäumen auf Privatgrundstücken zu untersuchen. Auch die Kastanien-Alleen der August-Siebert-Straße und Fürstenbergerstraße wären einzubeziehen, denn sie hätten nur geringe bis keine Überlebenschance.“
Der seit Jahren grassierende Baumverlust im Grüneburgpark – derzeit sind es schon unglaubliche 136 Bäume, deren Nachpflanzung auch in diesem Winter komplett fehlt – kann in die Untersuchung gar nicht einbezogen werden, weil die Bäume nicht vorhanden sind. Im digitalen öffentlichen Baumkataster sind die 136 Leerstellen nicht, was für alle sichtbar wäre, mit deutlichen schwarzen Punkten markiert.“
Für die Aktionsgemeinschaft Westend, die ebenfalls lautstark gegen die Zerstörung der Parkanlagen im Westend protestiert, konstatiert der langjährige Vorsitzende Hans-Jürgen Hammelmann: „Die fehlenden Nachpflanzungen von Bäumen deuten auf eine Resignation der Stadtregierung von SPD, Grünen und CDU vor den zerstörerischen U-Bahn-Plänen hin.“
Für die Grünen hätte es angestanden, die Variante 1a mit Station Botanischer Garten zu wählen statt eine Tunnelstrecke unter den Westendhäusern unter Umgehung der Parkanlagen vorzuschlagen. Für die Bürgerinitiativen ist diese Variante 1a eindeutiger Favorit, weil es die kostengünstigste ist und die geringsten Natureingriffe zur Folge hätte“, so Becker
Gleichzeitig sind die Buslinien 64 und 32 als Straßenbahnlinien zu planen, um die Uni noch besser an den Schienen-Nahverkehr anzuschließen als bisher,“ so der Verkehrsexperte Hammelmann. „Der Westend-Campus wird von acht Linien direkt angefahren: U1,2,3,8, Busse 32, 36, 64 und 75.“
Im Hotspot Frankfurt erleben wir im Sommer mittlerweile regelmäßig krankmachende, lange Trocken- und Hitzeperioden. Die Klimakatastrophe ist in der Stadt generell spürbar und nachweisbar. Anstatt Grün zu schützen und die Grundwasserströme in den Parkanlagen für die Bäume mit aller Macht zu erhalten, wird von der Frankfurter Stadtregierung den Bäumen in Zukunft kalter Beton für das Wurzelsystem geboten.
Die Grüne Lunge im Westend wird durch den geplanten unterirdischen Beton-Brutalismus, der vom SPD-Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling durchgesetzt werden könnte, in großer Gefahr,“ befürchten die WestendlerInnen in den Bürgerinitiativen.
Die starken Eingriffe in das Grundwassersystem bei einem Tunnel werden dauerhaft Schäden am Landschaftsschutzgebiet Grüneburgpark nach sich ziehen. So wird der Clump, die Gehölzinsel, mit über 100jährigen, riesigen Bäumen im Südosten des Parks aller Voraussicht nach austrocknen. Böse Zungen behaupten, der Bereich könnte dann Baugebiet für Luxuswohnungen werden.“
In diesem Jahr feiert der Palmengarten sein 150jähriges Jubiläum. Als besonderes „Geschenk“ übergibt die Frankfurter Stadtregierung der historischen Parkanlage einen Beton-Doppeltunnel für die Zukunft, der die Grundwasserströme wahrscheinlich endgültig unterbricht. Die um 1900 und in den 1940er Jahren gebauten Abwasserkanäle auf der Miquelallee und quer durch den Palmengarten haben bereits dauerhaft den Quellen und der Bepflanzung Grundwasser abgeschnitten. (**Quelle: Gustav Schoser, ehemaliger Palmengartendirektor)
Auffällig ist, daß der Grüneburgpark in der Ausschreibung gar nicht als bedeutendes Landschaftsschutzgebiet benannt ist. Auch Bodenveränderungen, also ein Tunnelbau, sind dort ausgeschlossen.
Grundsätzlich fehlen für alle Tunnelvarianten die Umweltverträglichkeitsprüfungen, vor denen sich die Stadtregierung von SPD, Grünen und CDU anscheinend drücken will.
Zwar will die grüne Umweltdezernentin Rosemarie Heilig Bäume schützen, wie sie wiederholt bekundet hat, doch bei diesem Nur-Baum-Votum könnte künstliche Bewässerung, in Frankfurt üblich mit Trinkwasser, für 700 Bäume Abhilfe schaffen, könnte im Gutachten empfohlen werden. Dieses Resultat weiß unsereins schon heute. Interessant wäre, welches Institut der Landschaftsarchitektur für die Baumqualität beauftragt wurde.
Der alte, wertvolle Baumbestand auf dem Uni-Campus-Westend, unter den der Doppel-Tunnel im Anschluß an die Station Adorno-Platz direkt im Wurzelbereich führen würde, bleibt bei der Baum-Ausschreibung gänzlich unberücksichtigt. Hier müßte zum Schutz des Ökosystems die Uni mit dem Landesdenkmalamt tätig werden, doch davon ist nichts bekannt“, so Becker. „Der Park und die Bäume um den Poelzig-Bau stehen unter Denkmalschutz, denen insgesamt das Grundwasser nicht abgegraben werden darf. Grundwasser und Böden stehen unter besonderem Schutz.“
Leider müssen wir feststellen, daß sich der Verkehrsdezernent Klaus Oesterling überhaupt nicht um Transparenz bemüht, was das Grundwasser-Monitoring betrifft. Uns fehlt trotz Nachfrage jede Information. Und durch die Absage der Sitzung des Verkehrsausschusses können wir ihn bei der Gelegenheit nicht direkt befragen.
Wir bitten die Presse um Berichterstattung.
* Quelle Ausschreibung Nr. HAD Referenz-Nr. 4704/904 Hessische Ausschreibungs-Datenbank
** Quelle: Ehemaliger Palmengartendirektor Gustav Schoser „Eine Welt der Pflanzen – Palmengarten Frankfurt, S. 93, hrsg von Freunden des Palmengartens-Palmengartengesellschaft, Frankfurt 1995
Kontakte:
Gisela Becker, Bürgerinitiative Grüneburgpark T 069 97205559 giselbecker@web.de
Hans-Jürgen Hammelmann, AGW Vorsitzender T 069 13822200 m 0179 2916790

PRESSE

FAZ 19.1.2021 „Beton-Brutalismus gefährdet Parks“

FNP 22.1.2021 Vom hartnäckigen Ringen um jeden Baum (warten auf link)

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